Die Stunde Null des Empfindens

„Ich freue mich, Sie alle heute Abend bei unserer Abschlussparty zu sehen.“
Mit diesen Worten verabschiedete Professor Stefan Lambert die Studenten in die Semesterferien an diesem warmen Sommernachmittag.
Er war viele Jahre als Strafverteidiger tätig gewesen, bevor er an die juristische Fakultät zurückkehrte, um seine Lehrtätigkeit im Bereich Strafrecht aufzunehmen, und pflegte einen sehr professionellen, aber auch kollegialen Umgang mit seinen Studenten. Nach den Vorlesungen und Klausuren würde die Cocktailparty am Abend mit Sicherheit eine willkommene Abwechslung werden, der Jahrgang hatte eigens zu diesem Zweck eine schöne Bar angemietet. Sie war im klassischen Stil gehalten, mit antiker Einrichtung, sehr bequemen Ledersesseln und vielen verwinkelten Ecken, die zu einem angeregten Gespräch einluden, eine ungewöhnliche Location für eine Studentenparty, aber deswegen umso schöner.

Anna verließ das Unigelände in Richtung ihres Studentinnenappartements und schwelgte bereits in Überlegungen, was sie anziehen würde. Es war sehr warm und ein wenig schwül, zugleich verlangte die klassische Umgebung nach Eleganz und Stil. Ihre Wahl fiel auf ein cremeweißes Seidenkleid, hochgeschlossen mit einem schmalen Stehkragen, knielang und aus zwei hauchdünnen Lagen Stoff bestehend, von denen jede einzeln durchsichtig war, übereinander aber ließ der Hauch von Nichts alles erahnen, ohne etwas zu zeigen.
Das Material fühlte sich unglaublich weich an und löste den starken Wunsch aus, das Kleid, und vor allem seine Trägerin, berühren zu wollen.
Die junge Studentin lächelte bei dem Gedanken in sich hinein, ihre Stimmung war euphorisch-frivol, das Semester war sehr erfolgreich aus ihrer Sicht gewesen und sie hatte es sich verdien,t in jeder Hinsicht hemmungslos zu genießen.

Sie schlüpfte elegant und geschmeidig in das Kleid hinein und drehte sich grazil um die eigene Achse. Ihr Körper war schlank und zugleich weiblich,
die schmale Taille wurde äußerst verführerisch betont, während sich ihre festen und weiblichen Hüften als verlockende Kurven abzeichneten. Anna probierte mehrere Spitzenstringtangas an, aber es gelang ihr nicht, einen zu finden, der unter dem dünnen Stoff nicht als unschöne Zeichnung sichtbar wurde. Mit einem Lächeln entschied sie sich dafür, auf Unterwäsche zu verzichten, und freute sich zugleich auf die gierigen Blicke, die ihren Körper taxieren und sich nach ihr verzehren würden. Vielleicht, wenn ihr jemand gefiel, würde sie genüsslich den für sie reizvollsten Mann auswählen und sich dann nach allen Regeln der Kunst von ihm verwöhnen lassen.

Die Sonne ging gerade unter, als Anna die Bar erreichte, viele ihrer Studienkollegen waren bereits da und sie brauchte einige Zeit, um alle zu begrüßen. Die junge Frau hatte sich in der Wirkung ihrer Garderobe nicht geirrt, die Augen der männlichen Gäste hafteten förmlich an ihr und waren nahezu körperlich spürbar. Es war ein Genuss sondergleichen für die Studentin, sie liebte es, die Begehrlichkeiten zu spüren, die sie auslöste, während es allein ihr oblag, ob sie sich dafür entschied, ihrer Lust mit einem der Männer freien Lauf zu lassen. Ein erhebendes Gefühl von Erhabenheit, der Luxus, eine Frau zu sein, dachte sie, als sie spürte, wie eine Hand von hinten über ihren Rücken hinab bis zu ihrem Poansatz strich.
Erbost und außer sich vor Wut über diese Dreistigkeit fuhr sie herum und versetzte dem Mann eine schallende Ohrfeige. Anna schaute in das Gesicht von Professor Lambert, der sich die rechte Wange hielt.
„Sie?! Was fällt Ihnen ein, mich zu begrapschen?“
„Wäre es für eine derart attraktive Frau nicht eine Beleidigung, es zu unterlassen? Ihr ganzer Körper macht eine einzige Aussage: ‚Berühre mich!’“
„Sind Sie noch bei Verstand? Selbst wenn ich hier nackt herumliefe, ist das kein Freifahrtschein, mich anzufassen. Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht.“
„Sie hätten nicht gedacht, dass ich Ihre Fassade der Überheblichkeit durchschaue?“
Annas Wut legte sich, musste sie doch zugeben, dass er Recht hatte, ja sie hatte sich schon oft gewünscht, jemandem zu begegnen, in dessen Souveränität sie sich fallenlassen konnte, nicht die Macherin sein musste, Führung und Verführung erfahren durfte, ohne weniger geachtet zu werden, weil sie es geschehen ließ.
„Ein Gentleman wie Sie sollte in der Lage sein, eine Ohrfeige als Kompliment aufzufassen.“
„Es zeugt von der Klasse einer Dame, sie im richtigen Moment auszuteilen.“
Stefan dirigierte die junge Frau sanft in Richtung einer kaum einsehbaren Sitzecke, wo sie einander gegenüber Platz nahmen. Von Anna unbemerkt hatte der Dozent für beide einen Cocktail mit nur wenig Alkohol bestellt und reichte der jungen Frau das Glas.
„Auf unsere Annäherung“,
sagte er mit einem Lächeln, das nicht allein durch Freundlichkeit verursacht wurde. In ihrem nahezu durchsichtigen Kleid, das im Sitzen über die Oberschenkel gerutscht war, bot sie einen sehr verführerischen Anblick, der Stefans Begierden und Jagdinstinkte weckte. Es war neben ihrer Schönheit vor allem ihre Distanziertheit, die Unantastbarkeit, die sie für sich beanspruchte – Frauen dieser Art, so wusste er, waren die leidenschaftlichsten und hingebungsvollsten überhaupt, wenngleich es nicht immer ungefährlich war, sich ihnen zu nähern, wie seine rechte Wange ihn immer noch schmerzhaft erinnerte.
Anna hob etwas zögerlich das Glas:
„Auf Ihre Nehmerqualitäten.“

Sie schien seine Gedanken zu spüren und begann zu frösteln, ohne dass es kalt gewesen wäre.
„Herr Lambert, herzlichen Dank für den Drink, ich fasse dies als Entschuldigung für Ihre ungebetene Annäherung auf und verbitte mir weitere Versuche dieser Art.“
Stefan hatte eine derartige Antwort erwartet.
Es war für ihn eine heikle Situation, war er sich doch sicher, die Sehnsüchte seiner Studentin richtig erkannt zu haben. Wenn er sich aber irrte, konnte ihn das in größte Probleme bringen. Gleichzeitig wusste er, dass er seinem Trieb nicht würde widerstehen können, er hatte den unbändigen Drang, den Geist und Körper der jungen Studentin in Besitz zu nehmen, den Augenblick auszukosten, in dem aus Abwehr und Widerstand eine Hingabe sondergleichen entstand. Er würde ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen, auch wenn sie selbst wahrscheinlich nicht mal wusste, dass dieser in ihr existierte, der Wunsch nach auswegloser Konsequenz, mehr als nur sie vereinnahmend, die Stunde Null des Empfindens, weil danach nichts mehr so sein könnte wie es war.
„Anna, Sie sind eine bemerkenswerte Frau, gestatten Sie mir eine Frage. Wenn Sie bekommen, was Sie wollen, wollen Sie dann, auch was Sie bekommen?“
„Herr Lambert, entschuldigen Sie, ich habe keine Ahnung, was Sie mir sagen möchten.“
Das hatte Anna tatsächlich nicht, sie entschloss sich aus Anstand, das Glas zu leeren und sich dann höflich, aber bestimmt zu verabschieden.
„Ihre Souveränität, Ihre Unantastbarkeit, Ihre Autarkie – was glauben Sie wohl, wie es sich anfühlt, wenn all das sich in dem auflöst, was Sie wirklich brauchen?“
Einzig seine Augen hielten die Studentin davon ab, augenblicklich zu gehen, es war etwas Faszinierendes darin, faszinierend und erschreckend zugleich, denn es bestand die Möglichkeit, dass er Recht hatte. Anna fiel es zunehmend schwer, sich zu konzentrieren, der Cocktail enthielt fast keinen Alkohol und sie hatte auch zuvor nichts getrunken, dennoch fühlte sie sich merkwürdig, sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.
„Ist Ihnen nicht gut?“ Stefan war zu Annas Stuhl herumgekommen und legte seine Hand auf ihre Schulter
„Ich weiß nicht, ich denke, ich sollte gehen …“
Sie wollte aufstehen und sich ihrem Dozenten entziehen, aber die Koordination der jungen Frau versagte, sie sank zurück auf ihren Stuhl und sah Stefan nun direkt vor sich, sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, als er ihr direkt in die Augen schaute.
„Lassen Sie es zu, es wird Ihnen gefallen.“
Er half der verwirrten Frau aufzustehen und zog sie noch weiter ins Dunkel der Sitzecke, sodass sie für die übrigen Besucher nicht mehr sichtbar waren.
Anna konnte kaum noch ihre Gedanken ordnen, sie wollte etwas sagen, sich aus Stefans Armen befreien, der Situation entfliehen, aber ihr Verstand gehorchte nicht mehr ihrem Willen. Aus ihrem Inneren spürte sie eine intensive, durchdringende Wärme in sich aufsteigen. Ohne zu wissen, was mit ihr geschah, fühlte sie, wie zu der Hilflosigkeit die Sehnsucht kam, die Sehnsucht, sich Stefan hinzugeben und zu genießen. Sie verstand ihre eigenen Gedanken nicht, hatte sie doch eben noch gehen wollen und die Bedrohung gespürt, die von ihrem Dozenten ausging.
„Anna, in Ihrem Drink war mehr als nur Alkohol. Ich überlasse nichts dem Zufall. Und seit ich dich das erste Mal gesehen habe, spüre ich den Trieb, deinen Körper in Besitz zu nehmen.“
„Was? Sind Sie wahnsinnig und verrückt geworden, ich werde …“
„Was wirst du?“
Stefan drückte die Studentin unter sich auf die Ledercouch und kam auf ihr zu liegen, er ließ ihr keine Möglichkeit, sich ihm zu entziehen, auch wenn die Droge, die er ihrem Getränk beigemischt hatte, mittlerweile Wirkung zeigte. Er wollte, dass sie ihre Ohnmacht spürt.
Anna fühlte Panik in sich aufsteigen, sie wusste instinktiv, dass sie nicht mal in der Lage war, Gegenwehr zu leisten, geschweige denn sich zu befreien. Was wollte dieser Wahnsinnige nur von ihr …
Stefan fuhr mit seiner linken Hand unter das hauchdünne Kleid und griff der hilflosen Frau rabiat zwischen die Beine.
„Wie ich es vermutet habe, nicht mal einen String trägst du geile Dreckschlampe.“
Die verzweifelte Frau konnte sich kaum bewegen und spürte den Unterschied zwischen Schmerz, Abscheu und Wut nicht mehr, ihre Sinne kreisten nur noch um die Hoffnung, er würde schnell von ihr ablassen.
„Verschwinde!“,
brachte sie mühsam hervor, ihre Empfindungen waren intensiv wie noch nie, aber die Droge machte es ihr unmöglich, klar zu denken.
„Hau ab, du Dreckschwein!“
„Mach dir nichts vor, du Fickstück brauchst es doch, genauso wie du es brauchst, dass ich dich ‚Schlampe’ nenne und dich auch so ficke.“
Anna kämpfte gegen die Tränen, sie kämpfte gegen die Angst und sie kämpfte gegen sich selbst, denn ihr wurde bewusst, dass es ihre Feuchte war, die über Stefans Hand lief, ihr wurde bewusst, dass ihr gefiel, was er tat, ihr wurde bewusst, dass sie ihre eigene Vergewaltigung genoss, und das mehr als alles, was sie zuvor erlebt hatte.
Stefan stieß immer härter mit seinen Fingern in die widerstandsunfähige Studentin, er spürte ihren Schmerz, ihre Sehnsucht, er spürte, dass er den Grund ihrer Seele erreicht hatte.
Anna hatte kein Gefühl mehr für Raum und Zeit, so furchtbar der Schmerz war, so überwältigend spürte sie ihren Orgasmus auf sich zukommen, in reinster Form, Sex wie er sein sollte, erotisierte kompromisslose Macht, der sie unterlegen war in diesem Moment, ein Moment, in dem sie willentlich gestorben wäre vor Glück.
Stefan sah die unendliche Tiefe in ihren Augen, als er mit seinem Schwanz in sie hineinstieß, eine Unendlichkeit der Nähe, für die zu beschreiben nichts Vergleichbares existiert, die Stunde Null des Empfindens, der Augenblick, der Macht und Hingabe absolut werden lässt.

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Auszug aus „Tiefen der Seele – vergewaltige mich, weil ich es will“ erschienen bei BOD

www.tiefen-der-seele.com

Author: Ava_Andersson

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